Vorschau 2010:
Geschichte der SPD Schnuttenbach
Allgemein
Blickt man zurück in die Geschichte des Ortsvereins so ist gerade unsere SPD hier in Schnuttenbach nie ein unbeschriebenes Blatt gewesen. Schon kurze Zeit nach der Gründung dieses Ortsvereins konnte der Mitgliederbestand bis auf 51 im Januar 1953 angehoben werden. Eine ganze Reihe von schon ehemaligen SPD Mitgliedern schlossen sich in den ersten Nachkriegsjahren dem Ortsverein Offingen an, der bereits seit dem 1. Weltkrieg bestand und eine Hochburg sozialdemokratischer Bewegung war, neben den Vereinen Jettingen, Wasserburg und Oberknöringen die sich in dieser Zeit formierten. Nachdem gerade in Schnuttenbach viele Heimatvertriebene aus dem Sudetenland im so genannten Lager angesiedelt wurden und zum Teil eine reiche sozialdemokratische Vergangenheit hinter sich hatten, kam der Wunsch einen eigenen Ortsverein zu gründen. Es ist uns schwer gefallen Daten und Zahlen aus dieser Zeit in schriftlicher Form zu finden. Die ersten Protokolle sind erst ab 19. 01.1952 vorhanden. Durch Befragung und Gespräche haben wir die Gründungsmitglieder ermittelt. Ende des Jahres 1949 war es nun so weit und man versammelte sich im Gasthof Adler der Familie Kley in Schnuttenbach. Gründungsmitglieder waren: Hans Wüst, Wilhelm Schöniger, Karl Schlögl, Ernst Schlögl, Franz Pietschmann, Anton und Franziska Kuhn, Ernst Grimmer, Johann Meixner, Franziska Wüst, Josef Hammer, Michael Berchtold, Benjamin Scherber, Rosa Hammer und Wenzel Häuser.
Verschiedene Gründungsmitglieder hatten in ihren Heimatgemeinden im Sudetenland bereits eine politische Tradition. So war unser unvergessener Wilhelm Schöniger bereits bis 1938 Stadtrat von Bergstadt –Platten, bis zur Auflösung der Partei 1938 nach dem Einmarsch der Wehrmacht. So mancher war damals Verfolgungen und Unterdrückungen ausgesetzt. Insbesondere auch das persönliche Schicksal verband die Genossen hier im Ortsverein. Flucht und Vertreibung, Kriegsgefangenschaft lagen noch nicht lange zurück und es galt im Privaten und gesellschaftlichen Bereich einen neuen Anfang zu machen. Spannungen innerhalb des Dorfes bauten sich nur langsam ab, mit bedingt durch die politischen Gegensätze.
Aber schon bald werden gemeindepolitische Akzente gesetzt. Josef Hammer war der erste Sozialdemokrat der in den Gemeinderat einzog. Jahre später folgten ihm Karl Schlögl und Wilhelm Schöniger.
Nach einem gescheiterten Anlauf gelang es, den 1. sozialdemokratischen Bürgermeister zu etablieren. Der Schnuttenbacher Michael Berchtold wurde 1960 Bürgermeister und hielt das Amt inne bis 1966. Als Nächstem gelang es unserem Wilhelm Schöniger zweimal bis zur Eingemeindung 1978 die Geschicke dieser Gemeinde zu lenken. Beide waren auch Kreistagsabgeordnete.
In Zusammenarbeit mit dem zweiten Bürgermeister Rudolf Coda, ebenfalls SPD, erlebte diese Gemeinde einen riesigen Aufschwung. Ausbau der Innerortsstraßen, Kanalisation, Erschließung von Baugebieten, Neubau des Feuerwehrgerätehauses, Beschaffung eines Feuerlöschfahrzeuges, Anlage eines Kinderspielplatzes, Unterstützung des Kirchenneubaues. Durch eine von ihm mit gesteuerter Finanzplanung konnte sichergestellt werden, dass die Bürger der Gemeinde Schnuttenbach nicht zu Ergänzungsbeiträgen für die Abwasseranlage herangezogen werden mussten.
Seit den 60.Jahren konnte der Gemeinderat fast durchweg mit 2/3 SPD Mehrheit besetzt werden, was sich entsprechend befruchtend auf dessen Arbeit ausgewirkt hat.
Der Ortsverein hat sich immer der Öffentlichkeit gestellt. Ob es Fragen waren bezüglich des Kommunalbereichs oder sonstiger aktueller Fragen wie der Einsatz von Kernenergie Ja oder Nein.
Die Mitgliederzahlen haben sich seit dem Höchststand von 1953 wieder verringert. Ursachen waren Wegzug und Überalterung. 1981 konnten wir wieder 22 Mitglieder zählen und die Altersstruktur hatte sich wieder deutlich verbessert.
Die Geselligkeit kam nicht zu kurz. Durch den Ortsverein organisierte Tanzveranstaltungen nach der Gründungszeit waren wesentliche Elemente des Zusammenhalts, die aber im Zuge von neuen Kommunikationsmöglichkeiten abnahmen. Die Tradition 1. Maifeiern abzuhalten ist ungebrochen und war lediglich in den Jahren 73, 74 und 75 ausgesetzt. Die Erste Maifeier 1950 wurde im Gasthaus Adler der Familie Kley abgehalten. Am Abend vorher war es üblich in der Sandgrube Raketen zu zünden. Der Morgen des 1.Mai begann mit einem Weckruf mit Marschmusik. Seit 1978 wird die Veranstaltung gemeinschaftlich mit der Gewerkschaft IG Bauen- Agrar-Umwelt durchgeführt.
Wie aus dem Kassenbuch ersichtlich ist wurde 1974 eine Bundes- und eine SPD Fahne angeschafft und 1988 nochmals eine SPD Fahne.
Man war auch immer bemüht mit den Großen der Politik in Verbindung zu stehen. Landtags- und Bundestagsabgeordnete konnten immer wieder für Vorträge, Gespräche und Diskussionen gewonnen werden. Namen wie: Ospalt, Bauer , Frenzel, Syring, Härtle und Fellermeier waren bei uns Gäste. Unser Landtagsabgeordneter Karl Th. Engelhardt ist immer ein enger Partner gewesen der als Referent nie eine Veranstaltung abgeschlagen hat.
Die Verleihung von goldenen und silbernen Parteiabzeichen anlässlich der 1.Maifeier 1977 im Schützenheim an die Genossen Schöniger, Schlögl und Kuhn waren Höhepunkte unseres Ortsvereins.
Im Juni 1981 wurde unser 30 jähriges Bestehen im Bürgerstüble in Schnuttenbach festlich begangen. Als Gastredner wurde der Bundestagsabgeordnete Peter Feile der damals Vorsitzender des Innenausschusses war, aus Friedberg gewonnen. Wir haben uns bemüht alle noch lebenden Gründungsmitglieder und Genossen der Anfangszeit zu finden. Es gab rührende Wiedersehensfreuden und herzliche Erinnerungsgespräche.
Im Zuge der Eingemeindung und der damit verbundenen Gemeinderatswahl gelang es lediglich Rudolf Cada als Vertreter unseres Teilortes in den neuen Gemeinderat zu bringen. Trotz unbeirrbarer Bemühungen wurde dieser nicht 2.- sondern nur 3.Bürgermeister.
Schon seit Jahren haben wir uns Gedanken gemacht, wie man die Vereinsarbeit effektiver gestalten kann. Schon seit 1984 wurden deshalb die Monatsversammlungen und Veran- staltungen mit dem OV Offingen zusammengelegt. 1991 kam es schließlich zur Vereini- gung mit dem Ortsverein Offingen.
Die Vorsitzenden des OV-Schnuttenbach waren seit Gründung:
1. von 1949 - 1951 Johann Wüst
2. von 1951 - 1953 Wilhelm Schöniger
3. von 1953 - 1954 Josef Hammer
4. von 1954 - 1968 Karl Schlögl
5. von 1968 - 1975 Franz Pietschmann
6. von 1975 - 1976 Albert Kleber/ Peter Landmann (komisarisch)
7. von 1977 - 1991 Peter Landmann
Zur Erinnerung an den Ortsverein Schnuttenbach habe ich dem jetzigen Ortsvereins- vorsitzenden den Genossen Guido Berning im Mai 2009 eine Tischglocke mit einer Gravur überreicht die darauf hinweist, dass wir es schafften 2 Sozialdemokraten, einmal Michael Berchtold und anschließend Wilhelm Schöniger als Bürgermeister zu stellen.
Peter Landmann im Mai 2010
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